Beschichtungen für Industrieböden sind keine Farben – sie sind chemisch und mechanisch wesentlich komplexere Systeme. Auch die Grundierung ist anders: Es geht nicht darum, die Saugfähigkeit zu regulieren oder die Haftung im herkömmlichen Sinne zu verbessern, sondern eine chemische Bindung zwischen Beton und Beschichtung herzustellen. Für diese Aufgabe eignet sich die reaktive – typischerweise zweikomponentige Epoxidharz – Grundierung.
Die reaktive Grundierung dringt in die Betonstruktur ein und härtet durch eine chemische Reaktion aus – nicht durch physikalische Oberflächenhaftung wie Dispersionsgrundierungen. Das bedeutet eine wesentlich stärkere, dauerhaftere Verbindung, die auch unter mechanischer Belastung, Chemikalien- und Feuchtigkeitseinwirkung nicht ablöst. Bei industriellen Beschichtungssystemen – Epoxidböden, Polyurethan-Abdichtungen und chemisch belasteten Oberflächen – ist diese Grundierungsart die einzige geeignete Lösung.
Reaktive Grundierungen werden eingesetzt:
Das Auftragen der reaktiven Grundierung ist eine Fachhandwerkeraufgabe. Bei Zweikomponentensystemen ist das genaue Einhalten des Mischverhältnisses und der Verarbeitungszeit zwingend erforderlich – Abweichungen führen zu einer chemisch unvollständigen Bindung, wodurch die Dauerhaftigkeit der Beschichtung nicht gewährleistet ist. Die Vorbereitung der Betonoberfläche – Schleifen, Diamantschleifen oder Strahlen mit Schleuderkugeln – ist Voraussetzung für die Haftung der reaktiven Grundierung: Auf einer geschlossenen Betonoberfläche dringt die Grundierung nicht ausreichend ein.
Die Feuchtigkeit des Betonuntergrunds ist kritisch: Epoxidgrundierung bildet auf feuchtem Beton Blasen. Die Feuchtigkeitsmessung muss vor der Grundierung erfolgen.
Die Tiefengrundierung basiert auf Dispersion und gleicht die Saugfähigkeit auf stark saugenden Untergründen aus – sie erzeugt keine chemische Bindung. Die reaktive Epoxidgrundierung haftet durch physikalische und chemische Bindung und ist ausschließlich für reaktive Beschichtungssysteme (Epoxid, PU) geeignet. Die Funktionen und Anwendungsbereiche der beiden Materialien sind nicht austauschbar.
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