Estrich ist kein Ausgleichsmaterial – dies ist der häufigste Irrtum, der zu einer falschen Materialwahl führt. Estrich ist eine tragende Bodengrundschicht: dick, tragfähig und mit langer Abbindezeit. Ausgleichsschichten sind dünn, nicht tragend und schnell belegbar. Die Funktionen, Dicken und Abbindezeiten der beiden sind völlig unterschiedlich.
Die Aufgaben von Estrich sind:
Estrich ist tragfähig – die Last muss mit dem Untergrund geteilt werden. Er gibt bei Rissen oder Ablösungen auf, wenn keine ausreichende Verbindung zum Untergrund besteht oder wenn während der Abbindezeit Belastungen auftreten.
Estrich wird typischerweise in Schichtdicken von 30–80 mm verwendet. Unter 30 mm ist Estrich spröde und bietet keine ausreichende Lastverteilung. Über Fußbodenheizungen ist eine Mindestüberdeckung von 30–35 mm über den Rohrleitungen erforderlich, um eine gleichmäßige Wärmeverteilung zu gewährleisten. Faserverstärkte Varianten können auch über 50 mm eingesetzt werden, jedoch ist auch hier die Planung von Dehnungsfugen zwingend erforderlich.
Für die volle Tragfähigkeit benötigt Estrich 28 Tage. Dies ist keine Empfehlung, sondern ein chemischer Prozess: der Zementbindevorgang ist in dieser Zeit vollständig abgeschlossen. Das Verlegen des Belags vor Ablauf der 28 Tage bedeutet, dass der Estrich unter dem Belag noch arbeitet – was zu Rissen, Bewegungen und schließlich zum Ablösen der Fliesen führt.
Bei Fußbodenheizungssystemen muss nach dem Verlegen des Estrichs mindestens 28 Tage gewartet werden, bevor die erste Beheizung erfolgt. Die Beheizung ist gemäß den Herstellerangaben schrittweise und bei niedriger Temperatur zu beginnen.
Bei jedem Estrich ist das Anbringen eines Randdämmstreifens entlang der Wände sowie, abhängig von der Raumgröße, die Anlage von Felddehnungsfugen verpflichtend. Der Randdämmstreifen nimmt die durch die Wärmedehnung verursachten Längenänderungen des Estrichs auf. Wird er weggelassen, drückt der Estrich gegen die Wände und reißt an der schwächsten Stelle.
Faserverstärkter Estrich enthält homogene Verteilung von Verstärkungsfasern aus Polypropylen oder Stahl. Dies erhöht die Rissbeständigkeit und verringert das Risiko von Schrumpfrissen. Bei Fußbodenheizungssystemen und Schichtdicken über 50 mm wird die faserverstärkte Variante dringend empfohlen.
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