Das Weglassen der Grundierung beschleunigt die Arbeit nicht – es verschiebt nur den Fehler. Das Auftragen des Deckanstrichs ohne Grundierung führt zu einer Reihe von Problemen: ungleichmäßige Aufnahme, fleckige Deckung, Durchschlagen von Flecken und vorzeitiger Verschleiß. Die Grundierung verhindert diese Probleme – und ist deutlich günstiger als der Deckanstrich.
Die Grundierung ist keine Deckschicht – sie verbindet den Untergrund mit dem Deckanstrich und schafft die Voraussetzungen für ein gleichmäßiges Auftragen. Nach ihren Funktionen lässt sie sich in vier Hauptgruppen einteilen:
Saugregulierende Grundierung: bei stark saugenden Untergründen (poröser Putz, Gasbeton, frischer Gips) sorgt sie für eine gleichmäßige Aufnahme. Ohne Grundierung trocknet der Deckanstrich an den saugfähigen Stellen ein und verliert seine Deckkraft, an weniger saugfähigen Stellen bildet sich eine Oberflächenschicht – das Ergebnis ist fleckig.
Haftverbessernde Grundierung: auf glatten, nicht saugenden Oberflächen (alter Anstrich, geschliffener Beton, Gips) verbessert sie die Haftung des Deckanstrichs. Wo die Oberfläche „keinen Halt bietet“, sorgt die Grundierung für Mikrorauheit und eine chemische Bindefläche.
Fleckblockierende Grundierung: auf nikotin-, Ruß-, Steinkohlen- und Wasserfleckenhaltigen Flächen verhindert sie das Durchschlagen. Spezielle pigmenthaltige Grundierung bindet den durchscheinenden Fleck und sorgt für eine einheitliche Deckung durch den Deckanstrich.
Dampfdurchlässige Grundierung: bei atmungsaktiven Wandaufbauten, wo Silikat- oder Kalkfarbe aufgetragen wird, sorgt die kompatible mineralische Grundierung dafür, dass die Wand nicht verschlossen wird.
Die Funktion bestimmt das Material – das ist die häufigste Fehlerquelle bei der Grundierungsauswahl: eine saugregulierende Grundierung blockiert keine Flecken, eine fleckblockierende Grundierung verbessert nicht unbedingt die Haftung auf glatten Flächen. Es ist immer notwendig, basierend auf dem konkreten Problem und dem Untergrundtyp zu entscheiden.
Wichtig: Die chemische Kompatibilität von Grundierung und Deckanstrich ist Voraussetzung. Unter Silikat-Deckanstrich gehört eine silikatkompatible Grundierung – Dispersionsgrundierung verhindert die chemische Bindung und nimmt die Vorteile der Silikatfarbe.
Die Grundierung wird mit Rolle oder Pinsel aufgetragen, danach folgt nach Ablauf der Trocknungszeit der Deckanstrich. Die Trocknungszeit darf nicht verkürzt werden: Die Wirkung der Grundierung entfaltet sich während des Trocknens, und ein zu früh aufgetragener Deckanstrich unterdrückt die Wirkung der Grundierung.
Nach dem Auftragen der Grundierung kann die Oberfläche anders aussehen als der trockene Untergrund – das ist kein Fehler, sondern ein Zeichen der Saugregulierung.
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